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Jörg Peisert gilt als Experte für die wachstumsstarken Schwellenländer, die so genannten Emerging Markets. Seine Kenntnisse gewinnt er nicht am Schreibtisch, sondern er bereist regelmäßig die boomenden Märkte in Mittel- und Osteuropa, in Südostasien und in Südamerika. Die wichtigsten Wirtschaftsmedien greifen auf sein Wissen als Fachmann für Emerging Markets zurück. In zahlreichen Interviews für Funk- und Fernsehanstalten und Print-Titel wie FAZ, FTD oder Welt am Sonntag machte Jörg Peisert früher als andere Experten auf das große Wachstumspotenzial in Russland, China und Indien aufmerksam. Seit einiger Zeit beschäftigt sich der renommierte Finanzexperte zusätzlich mit dem Thema Wetten, da er das ungeheure Potenzial insbesondere des deutschen, aber auch des gesamteuropäischen Glücksspielmarktes erkannt hat.

In seiner Laufbahn ist Jörg Peisert mehrfach prämiert worden. Er wurde unter anderem 1. und 3. Sieger beim Capital-Börsenwettbewerb und erfolgreichster Portfoliomanager bei der Olympiade der deutschen Vermögensverwalter.

Der Emerging Markets-Experte Jörg Peisert hat ein Faible für Osteuropa. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagte Jörg Peisert: " Russland profitiert von massiven Restrukturierungen der Wirtschaft. Seit der Wahl Wladimir Putins zum Regierungschef im März 2000 haben sich das politische System deutlich stabilisiert und die wirtschaftlichen Rahmendaten verbessert." Eines von Putins Hauptzielen sei die Schaffung eines günstigen Investitionsklimas, vor allem für ausländische Investoren. Das Bruttoinlandsprodukt solle innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppelt werden. Durch radikale Steuerreformen solle die Wirtschaft massiv angekurbelt werden. "Auch den konsequenten Umbau des russischen Bildungs-, Sozial- und Rentensystems hat die Regierung sich auf die Fahne geschrieben. Dies ist auch unbedingt erforderlich, wenn man sich vor Augen führt, dass rund ein Drittel aller Russen unterhalb der Armutsgrenze leben. Sollte Putin nur die Hälfte seiner Ziele erreichen, dürfte der russische Aktienmarkt die gesamten osteuropäischen Börsen innerhalb der nächsten Jahre outperformen", so Peisert gegenüber der FAZ.

Laut Peisert spricht für den russischen Markt, dass es sich um das rohstoffreichste Land der Erde handelt. Besonders interessant seien die Ölindustrie und Versorgungsunternehmen: "Die besonderen Chancen dieser Branchen liegen in der Internationalisierung ihrer Absatzmärkte, die sie zunehmend vom russischen Wirtschaftssystem unabhängig macht. Speziell die Öllieferanten profitieren von steigenden Ölpreisen. Aber auch sinkende Preise wirken sich kaum auf die Wirtschaftlichkeit der Rohstoffunternehmen aus." Doch auch die Telekommunikationsbranche sei sehr interessant, betonte der Emerging-Markets-Experte gegenüber der FAZ.

Im Gegensatz zu Osteuropa war Lateinamerika lange Zeit das Sorgenkind unter den Schwellenländern. Nach Argentinien geriet unter anderem Brasilien schwer unter Druck. Dazu sagte Jörg Peisert gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD) , verglichen mit der Krise in Asien oder auch der Krise in Russland könne man eindeutig feststellen: "Die Schwellenländer sind erwachsen geworden. Nicht nur in Hinblick auf deren wirtschaftliche und politische Situation, sondern vor allem auch in der Wahrnehmung der Investoren. Es werden nicht mehr alle Schwellenländer über einen Kamm geschoren. Stattdessen haben sich deutlich Emerging Markets erster und zweiter Klasse herauskristallisiert. Zur ersten Klasse zählen Osteuropa und Südostasien. Lateinamerika hingegen ist zweit- oder momentan sogar drittklassig." Bei den wirtschaftlichen Rahmendaten spielten Osteuropa und auch Südostasien einfach in einer anderen Liga. "Vergleicht man etwa Kriterien wie das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt, die Inflationsrate oder die Verschuldung der Regionen, dann ist der Abschwung Lateinamerikas fundamental gerechtfertigt. Wobei man natürlich auch die psychologische Komponente, das Anlegervertrauen, nicht außer Acht lassen darf. Hier spielen politische Faktoren eine große Rolle."

Der Emerging Markets-Experte macht sich vor Ort ein Bild der Situation in den einzelnen Ländern. Nach einer Reise nach Argentinien sagte Jörg Peisert gegenüber Finanzen.Net: "Die Leute auf der Straße ergeben sich ihrem Schicksal. Sie sind darüber frustriert, dass sie keine Chancen haben, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Denn es gibt in Argentinien keine breite Mittelschicht wie etwa in Deutschland, sondern eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich."

Positivere Akzente setzten hingegen die baltischen Kleinstaaten.

"Das Wirtschaftswachstum zeigt, wie stark die kleinen und flexiblen Volkswirtschaften von der EU-Aufnahme profitieren. Zudem sind die oft noch stärker als die Aktienkurse gestiegenen Unternehmensgewinne zu bedenken", sagte Jörg Peisert zu Business-Travel. Das schlage sich auch an der Börse nieder: So sei der Baltix-Index seit Anfang 2000 um sagenhafte 469 Prozent gestiegen. Und im Gegensatz zu vielen alten EU-Staaten sei die Stimmung in den baltischen Ländern gut. Es werde konsumiert, überall gebaut und investiert. Besonders der Außenhandel floriere. "Allein in Lettland haben mittlerweile hunderte Unternehmen aus der Bundesrepublik investiert", so Peisert, der schon seit Jahren auf die Emerging Markets setzt. Und Lettland gehöre außerdem zu denjenigen Ländern, deren politische Stabilität Anlegern keine grauen Haare beschere.

Doch alles in allem blieb Russland doch der Favorit für Jörg Peisert, der gegenüber Welt-Online erklärte, dass die Situation im restlichen Osteuropa eher verhalten sei: "Hier ist die Entwicklung bei weitem nicht so spannend wie in Russland." Wichtigster Grund: Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn sind schlicht und ergreifend weiter als Russland. Was sich vor allem in der Weise bemerkbar macht, dass sich die Aktienkurse im Durchschnitt zumindest in der Nähe ihres fairen Werts bewegen.

Der Trend gehe klar nach Osten. "Dabei stehen die baltischen Staaten ganz vorne in der Tabelle der Wachstumssieger", wurde Jörg Peisert vom E-Commerce-Magazin zitiert. Der Standort Baltikum biete geringe Arbeitskosten und Sozialabgaben - und vor allem hochqualifiziertes und motiviertes Personal. Allein in Lettland haben mittlerweile hunderte Unternehmen aus der Bundesrepublik investiert. "Die Konjunktur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa boomt, aus einst maroden Plansoll-Ökonomien haben sich boomende Volkswirtschaften entwickelt", so Peisert.

Doch auch das boomende Schwellenland Indien erlangte die Aufmerksamkeit von Jörg Peisert. "Es gibt keinen Schwellenmarkt, der ohne Risiken ist", betonte Jörg Peisert laut Report Online. "Man darf nicht vergessen, dass Indien vor nicht allzu langer noch sozialistisch regiert wurde und ein Agrarland war. Die in kürzester Zeit erzielten Fortschritte stimmen mich optimistisch, dass es auch in Zukunft weiter vorwärts gehen wird. So wurde die Armutsquote sowohl in den städtischen als auch in den ländlichen Gebieten stark zurück gedrängt. Und ein Millionenheer an hervorragend ausgebildeten und perfekt englisch sprechenden Fachkräften, das mit Amerikanern und Europäern mühelos konkurrieren kann, macht Indien für ausländische Investoren sehr interessant." Die größten Chancen sehen viele Experten in Asien, vor allem an den Börsen der südostasiatischen Schwellenländer. "Länder wie Thailand oder Indonesien sind in der Vergangenheit noch nicht so gut gelaufen", sagte Jörg Peisert zum Tagesspiegel, "die haben noch Nachholpotenzial". Auch sehr weit entwickelte Länder wie Südkorea, Taiwan oder Singapur stehen bei Fondsmanagern und Analysten ganz oben auf dem Zettel. Hin und wieder kommentierte der Finanzexperte auch die Lage in Deutschland. So sagte Jörg Peisert zum PT-Mittelstandsmagazin: "Schon die rot-grüne Regierung unter Kanzler Schröder hat immer wieder auf die Versäumnisse ihrer Vorgängerregierung, nämlich der Regierung Kohl verwiesen. Dieses Spiel übernimmt jetzt der schwarze Teil des neuen Bündnisses. Die Sozialdemokraten dürfen nicht zu dieser Entlastungsstrategie greifen, weil sie sich dann ja selbst kritisieren müssten. Wir müssen endlich weg von diesen Ritualen, die nur ein Ausweis von mangelndem Mut und fehlendem Reformeifer sind." Doch sogleich ging Peiserts Blick wieder ins Ausland: "Ich empfehle allen Politikern, von einer deutschen oder eurozentrischen Nabelschau Abstand zu nehmen. Schauen wir nach China: Im ersten Halbjahr 2006 wurde dort mit einem Zuwachs von 10,9 Prozent das sehr starke Wachstum des Vorjahres noch übertroffen. Selbstverständlich starten die Chinesen auf einem anderen Level. Doch wenn die Berliner Regierung weiterhin Politik des kleinen Karos oder der Trippelschritte macht, landen wir über kurz oder lang auf dem ökonomischen Abstellgleis."